Ich gehe in den Wald, weil...
Saskia Hoffmann
Lesezeit: 3 Minuten
Aktualisiert: 01.08.25
Weil frühmorgens der menschenleere Wald für mich Genuss und Privileg ist.
Aber auch:
Weil mir gegen 8.30 Uhr dieser viel zu kommunikative Mann begegnet, der stets mein Verhalten kommentiert:
,,Haben Sie nichts zu tun?" - Wenn er mich überholen muss.
,,Ah, trägt man heutzutage seinen Laptop spazieren?"- Wenn der Wald zu meinem Bürö wird.
,,Wie war die Nacht auf der Parkbank?"- Wenn ich auf einer Bank verweile.
Und mir jedes Mal aufs Neue keine schlagfertige Antwort einfalt.
Weil um 9.00 Uhr das ferne Läuten der Kirchenglocken durch den Wald hallt und mir Geborgenheit schenkt, obwohl ich nicht gläubig bin.
Weil ich die Offlinezeit als so wertvoll empfinde und dann doch noch schnell ein Foto für Instagram mache. Oder mir ein lieber Freund verlässlich um 10.30 Uhr auf meinen -zuvor per Whatsapp abgesendeten- ,,Gruß
aus dem Wald" antwortet und ich merke, wir sind uns nah.
Weil mir liebe Menschen im Wald begegnen, die mir nicht mehr nah sind und ich weiß, gleich kommt der Stich ins Herz. Und ich mir dann innerlich sage:
Erden. Atmen. Aushalten.
Weil ich inzwischen allein am Klang der sich nahenden Laufgeräusche erkenne, welcher der vielen Joggenden mich gleich überholen wird. Und weil Atmung und Haltung verraten, dass die meisten von ihnen, gemessen an den
eigenen Fähigkeiten, anaerob, also wahrscheinlich zu schnell, unterwegs sind. Und ich mich dann freuen kann, dass ich zumindest dieses Problem nicht habe.
Weil mir immer mal wieder dieser freundliche 93-jährige Spaziergänger stolz auf seiner Smart Watch präsentiert, wie viele Schritte er heute schon gegangen ist. Und um den ich mich sorge, wenn mir uns mal einige Wochen
nicht über den Weg laufen.
Weil mir noch der Rückweg bleibt, um die vielen verschiedenen Schattierungen von Grün und die Schönheit der Natur zu genießen.
Um irgendwann an Nichts mehr zu denken....
Warum gehst Du in den Wald?